Der Erfolgs-Score: was er misst – und was nicht
Eine Zahl ohne Erklärung ist wertlos. Hier steht offen, welche Faktoren in den Score einfliessen, wie sie zueinander gewichtet sind und an welcher Stelle die Zahl aufhört, eine Aussage zu sein.
Was der Score ist
Der Erfolgs-Score ist eine umgekehrte Risikozahl von 0 bis 100. Er beantwortet eine einzige Frage: Wie belastend sind die Marken, die im Register zu deinem Zeichen gefunden wurden? Je höher der Wert, desto weniger stehen dir die Treffer im Weg. Der Score bewertet damit den Registerbefund – nicht die Erfolgsaussichten deines Antrags beim Amt.
Was dein Wert bedeutet
Keine belastenden Treffer im Register. Geh die Liste trotzdem einmal durch – vor allem die Klassen, in denen du tatsächlich verkaufen willst.
Mindestens ein Treffer liegt nah genug, dass er in einem Widerspruchsverfahren eine Rolle spielen kann. Häufig lässt sich das über den Klassenzuschnitt oder eine Zeichenänderung entschärfen.
Ein oder mehrere Treffer sind deinem Zeichen sehr ähnlich und in relevanten Klassen aktiv. Vor einer Anmeldung gehört hier eine anwaltliche Prüfung dazwischen – oder ein anderer Name.
Die vier Faktoren
Jeder gefundene Treffer wird einzeln bewertet. Vier Faktoren gehen ein, in dieser Rangfolge:
Zeichenähnlichkeit
Stärkster FaktorSchriftbild und Klang. Verglichen wird nicht nur die Buchstabenfolge, sondern auch die Aussprache – über die Kölner Phonetik erkennt TMPilot, dass „Meier“ und „Mayr“ klanglich dasselbe Zeichen sind. Wortanfänge zählen stärker als Wortenden, weil sie im Verkehr stärker prägen. Dieser Faktor hat das größte Gewicht.
Nizza-Klassen-Überschneidung
Zweitstärkster FaktorZwei identische Namen kollidieren nur, wenn sie sich am Markt begegnen. Deshalb zählt, wie stark sich die Waren- und Dienstleistungsklassen überlappen. Wichtig: Dieser Faktor greift erst ab einer Mindest-Zeichenähnlichkeit. Reine Klassenidentität bei völlig unähnlichen Namen hebt das Risiko nicht – das entspricht dem kumulativen Erfordernis aus § 14 Abs. 2 Nr. 2 MarkenG und Art. 8 Abs. 1 lit. b UMV.
Rechtsstand der Gegenmarke
KorrekturfaktorEine eingetragene oder angemeldete Marke ist ein aktives Hindernis. Eine gelöschte, zurückgenommene oder abgelaufene ist es nicht mehr. Der Rechtsstand korrigiert den Wert in beide Richtungen; erloschene Treffer werden immer auf niedriges Risiko gesetzt, egal wie ähnlich der Name ist.
Identitäts-Zuschlag
KorrekturfaktorBei exakter oder nahezu exakter Übereinstimmung kommt ein Zuschlag dazu. Er sorgt dafür, dass eine Marke, die genau so heißt wie deine, immer oben in der Trefferliste steht – auch deine eigene, falls du sie bereits angemeldet hast.
Die Balken zeigen die Rangfolge der Faktoren zueinander, nicht die exakten Koeffizienten.
Vom einzelnen Treffer zur Gesamtzahl
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1
Treffer sammeln
Die Suche läuft live gegen EUIPO und DPMA – über alle Klassen, ohne Vorfilter. Zusätzlich werden klangliche Varianten deines Zeichens abgefragt, damit Treffer nicht durchrutschen, die anders geschrieben, aber gleich gesprochen werden.
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2
Jeden Treffer einstufen
Aus den vier Faktoren entsteht pro Treffer ein Ähnlichkeitswert und daraus eine Stufe: hoch, mittel oder niedrig. Die Schwellen liegen fest und sind für jede Suche identisch.
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3
Trefferfamilien zusammenfassen
Meldet derselbe Inhaber dieselbe Marke in acht Klassen an, sind das acht Registereinträge – aber nur ein Konflikt. Solche Familien werden geclustert und zählen einmal. Ohne diesen Schritt würde ein einziger großer Markeninhaber jeden Score nach unten ziehen.
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4
Gewichten und deckeln
Hoch eingestufte Konflikte wiegen deutlich schwerer als mittlere; niedrige gehen gar nicht ein. Zusätzlich greifen Obergrenzen: Ein einziger Treffer mit hohem Risiko deckelt den Score, gleichgültig wie viele harmlose Treffer daneben stehen. Das ist Absicht – ein echtes Hindernis lässt sich nicht durch Masse wegrechnen.
Warum die exakten Gewichte nicht auf dieser Seite stehen
Offen liegen die Faktoren, ihre Rangfolge, die Schwellen und die Deckelungsregeln – also alles, was du brauchst, um ein Ergebnis nachzuvollziehen und ihm zu widersprechen. Die konkreten Koeffizienten bleiben intern, weil sie laufend gegen tatsächliche Widerspruchs- und Löschungsentscheidungen nachjustiert werden. Ein fest veröffentlichter Zahlensatz wäre nach der nächsten Kalibrierung falsch – und ein Score, der sich gezielt auf einen Wunschwert hin optimieren lässt, ist als Warnsignal wertlos.
Worauf der Score basiert
Der Score kann nur so gut sein wie seine Datenbasis. Deshalb hier offen, was geprüft wird und was nicht:
Wird geprüft
- +EUIPO – Unionsmarken mit Schutz in der gesamten EU, live bei jeder Suche abgefragt
- +DPMA – deutsche Marken, ebenfalls live, kein Datenbank-Abzug von letzter Woche
- +IR-Marken aus dem Madrider System (WIPO) mit Schutzerstreckung auf Deutschland oder die EU – sie sind in den Beständen von DPMA und EUIPO enthalten und erscheinen mit der Quelle WIPO in deiner Trefferliste
- +Angemeldete, noch nicht eingetragene Marken – denn auch aus einer bloßen Anmeldung kann Widerspruch entstehen
Wird nicht geprüft
- –Nationale Register anderer Staaten – eine französische oder italienische Marke ohne EU- oder IR-Schutz taucht nicht auf
- –Register außerhalb Europas, etwa das USPTO oder die asiatischen Ämter
- –Bildmarken als Bild – reine Logo-Ähnlichkeit lässt sich nicht suchen, geprüft wird der Wortbestandteil
- –Nicht eingetragene Rechte: Firmennamen aus dem Handelsregister, Werktitel, Domains, Benutzungsmarken
Wo der Score endet
- •Der Score ist keine Prognose zur Eintragung. Ob das Amt dein Zeichen einträgt, hängt zusätzlich an den absoluten Schutzhindernissen – Unterscheidungskraft, beschreibender Charakter, Hoheitszeichen. Diese Punkte weist TMPilot getrennt als Befund mit Rechtsgrundlage aus, bewusst ohne Zahl.
- •Der Score ist keine Rechtsberatung. Ob ein konkreter Treffer im Widerspruchsverfahren durchdringt, ist eine Prüfung des Einzelfalls und Anwälten vorbehalten (§ 2 RDG). TMPilot ist keine Kanzlei.
- •Der Score sagt nichts darüber, ob ein Inhaber tatsächlich vorgeht. Viele Marken werden nie durchgesetzt, manche Inhaber verfolgen jeden Treffer. Das ist eine Frage der Person, nicht des Registers.
- •Ein hoher Score ist keine Freigabe, sondern die Aussage: Im geprüften Bestand steht dir nichts Naheliegendes im Weg. Was außerhalb dieses Bestands liegt, siehst du oben.
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